27
Apr
2008

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Heidnische Musik?

Ich töne ja immer wieder, daß ich, wenn da nicht diese Glaubensinhalte und diese religiöse Praxis wären, aus kulturellen Gründen Katholikin wäre. Besonders die christliche geistliche Musik finde ich teilweise einfach zum Niederknien schön. Andererseits habe ich als Musikerin (Chorsängerin, Solosängerin für eine Hochzeit...) schon genug katholische Gottesdienste miterlebt, um zu wissen, daß Gemeindegesang nicht immer eine Ohrenweide ist und es um die Sangeskünste von Priestern oft nicht gut bestellt ist.
Da Christin werden für mich aber nicht in die Tüte kommt, suche ich immer wieder nach schöner heidnischer Musik, nicht zum Konsumieren, sondern zum Selbersingen und zum kultischen Gebrauch (oft ohnehin deckungsgleich).

Und da kommen zwei Sachen zusammen: Im Forum des Magischen Netzes entbrennt eine Diskussion um heidnische Musik, und MartinM schreibt über Kitsch. Frage ich mich: Sind viele heidnische Chants und noch mehr aufgenommene "heidnische Musik" nicht schlicht kitschig?

Ja, ich habe Spaß am Singen, und ein Ritual ohne Singen ist für mich trostlos. Aber ich mag auch nicht immer das gleiche singen und ich habe Spaß auch mal am musikalisch Anspruchsvolleren, an Mehrstimmigkeit, Kanons, call-and-response-Formen etc. Ich empfinde ein gewisses Ungenügen an vorhandenen Chants, einerseits thematisch-inhaltlich - die meisten sind mir zu wicca und ich kenne zu wenige schöne Lieder an einzelne Gottheiten, schon gar nicht an die nordischen -, andererseits auch musikalisch: Vieles ist mir einfach zu leicht konsumierbar, zu vorhersehbar in seiner Melodik, zu kurz, zu anspruchslos und zu beliebig.

Hm, schlägt da nur die verhinderte Opernsängerin durch? Oder ist da tatsächlich noch "mehr drin" in der Entwicklung einer heidnischen Musikpraxis?

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Trackbacks zu diesem Beitrag

ryuu.twoday.net - 1. Jun, 15:29

Berufsvision? Soll ich? Soll ich nicht?

Gerade stieß ich im Wurzelwerk... [weiter]
Bodecea - 27. Apr, 16:02

Mh, es gibt doch sicher etwas komplexere Musik als Chants im heidnischen Bereich... oder?

Ich finde Chants schön, eben weil jede(r) mitgrölen kann, und das einfache, zusammen mit dem ständigen Wiederholen, hat etwas Tranciges.

Ich meine, eine Trommel alleine klingt ja auch nicht so interessant wie eine Kapelle, und trotzdem kann sie im rituellen Kontext stimmig sein...?

Wenn ich mir vorstelle, bei einem Ritual würden erst mal Notenblätter ausgeteilt, für den dreistimmigen Kanon in vier Strophen,... oh je... ;-)

Aber hier spricht die Krähe unter den Singvögeln ;-)

Und was Kitsch ist oder nicht, ist mir eh egal.

Alles Liebe
Bodecea

ryuu - 27. Apr, 16:33

hmmm

ich sag ja nicht, daß Chants nicht ihre Berechtigung haben, oder eine einzelne Trommel, oder...

Nur: muß ein "easy to use" Chant automatisch dem Muster von "kennste einen, kennste alle" entsprechen?
Und schließen sich Chants, die auch nicht so musikalische Leute einfach mitsingen können und eine Musik, an der Leute, die mal eben, weil's grad so schön ist, im Biergarten vierstimmig Bruckner singen, Spaß haben, aus?

Musik ist für mich eine wundervolle Art, die Götter zu ehren, und SIE haben mir nun mal eine Drei-Oktaven-Stimme geschenkt :) Da fände ich es schade, wenn so ein Einpendeln auf niedrigstem Niveau stattfände.
MMarheinecke - 27. Apr, 16:29

Es ist zwar üble Schleichwerbung ...

... aber die Singvøgel bzw. Karan und Duke, haben zahlreiche sehr schöne Lieder über nordische und andere Götter geschreiben - darunter auch "ritualtaugliche":
http://www.singvoegel.com/index.php/category/texte/ (Die Musik gibt's auf CD.)

Karans CD "Aphrodhita" (ein Soloprojekt) enthält z. B. auschließlich Lieder über Göttinnen, zwei davon ("Aphrodhita" auf einen altgriechischen Text von Sappho, und "Luna" auf einen lateinischen Text von Apuleius) sind sogar "echte" vorchristliche sakrale Lyrik.

ryuu - 27. Apr, 16:36

Oh, wir schrieben gleichzeitig, Martin :)

Ja, die "Aphrodita" steht ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste! Und die Singvøgel-CDs auch. *lukrativen Job herwünsch, um endlich mal wieder Musiker mit CD-Käufen beglücken zu können*
Perdita - 27. Apr, 19:17

Hallo meine Liebe,

ich bin stolze Besitzerin der CD Aphrodita von Karan.

Sie, die Musikerin und die CD sind wirklich klasse und das Lied an die Göttin Aphrodite löst bei mir einen wahren Schauer aus, so schön ist es.

Habe auch noch die CD "Lieder die die Erde singt", auch von Karan. Da sind Jahreskreis-Lieder drauf, die Mensch auch mitsingen kann.

Wenn du mal Zeit hast, komm einfach mal vorbei, dann kann ich Dir die beiden CDs ja mal vorspielen. Vielleicht ist ja was für dich dabei.

Martin hat da mit seiner "Schleichwerbung" schon recht. Karan und die Singvögel sind gut. Jedenfalls mir gefallen ihre Sachen, ähh Musik.

Ach und ich habe hier mal eine Seite im Netz gefunden die Asatru-Lieder hat:

www.skaldenmet.com

Vielleicht schaust du da mal rein und es ist etwas für dich dabei.

Herzliche Grüße Perdita

Karan (anonym) - 27. Apr, 21:13

*ganzdollfreu*

:-)))

distelfliege - 28. Apr, 00:00

Jo...

..also was "anspruchsvolle" Lieder angeht, hätte ich dir auch Karan empfohlen. Ich hatte z.b. den ganzen Tag "freie Falkin" als Ohrwurm heute, ohne daß ich in letzter Zeit die CD gehört hätte ;)

Was anspruchsvollere Ritualmusik angeht, da wäre für mich halt die Frage, wie man das so gestaltet, daß da auch musikalisch weniger bewanderte ihren Spaß dran haben.

Ich persönlich hab ja sowieso einen guten Grund, möglichst wenig zu chanten: Die durchschnittliche Tonlage der Sängerinnen ist mir zu hoch, die der Sänger zu tief, und bei Improvisation hab ich wenigstens keine vorgegebene Melodie, an die ich mich halten und mir dabei die Stimme ruinieren muss. *g*

Klar haben die Christen in ihren Kirchen z.t. schöne Musik, die haben aber auch Chöre (z.b. USA-Gospels), Organisten (Hierzulande) und/oder Chöre, die das Niveau hochhalten. Das könnte man halt in Betracht ziehen, eine Art Heidenchor/HeidenritualmusikerInnen, die ein wenig die Vorsänger spielen.

Ist aber auch ne Geschmacksfrage, muss ich sagen. ich mag diese ewig eintönigen Chants auch nicht. Aber so vorgegebene Lieder mitsingen ist auch nicht wirklich meins. Also, daß ich mal ne 2. oder 3. Stimme wo dazusinge, okay, wenn man mir die vorher beibringt, kann ich die auch durchhalten, ich lass mich auch hin und wieder gern als Kanon-Esel einspannen, der die rechts und links von mir sitzenden Leuts in der Spur hält, aber anspruchsvoll find ich Mehrstimmiges und Kanons auch nicht.
Also, ich chante fast nur aus Höflichkeit, Ausnahmen gibts davon natürlich auch, z.b. mit der Wurzeline find ich das schön.

Was ich nett finde, an vorgegebenen Liedern, zum gemeinsam gröhlen, sind so Sauflieder, und "Gassenhauer" wie "Bolle reiste jüngst zu Pfingsten", sozialistische Kampflieder, lustige Lieder, usw. aber das hat mit Ritualmusik dann auch wieder nix zu tun *g*

ryuu - 28. Apr, 17:26

Mit der Tonhöhe bin ich das entgegengesetzte Extrem, mir ist das meiste zu tief, einfach drüberoktavieren wird dann aber auch mir auf Dauer zu hoch.
Grölen konnte ich noch nie. Scheitert an meiner Bruststimm-Brüll-Unfähigkeit (die witzigerweise im Kampfkunst-Kiai ihre Ausnahme hat, aber da brülle ich ja auch nicht auf Tonhöhe), wenn ich laut singen will, schalte ich in die Kopfstimme. Hard wired. Daher machen mir so Gassenhauer eher wenig Spaß.

Musizieren mit unterschiedlichen Niveaus. Hm. Da sage ich mir: da muß doch mehr gehen als Einpendeln auf niedrigstem Niveau? Klar, viele, die denken, sie können nicht singen (viele können's doch, lassen sich aber von "Schön-Klingen-Müssen" abschrecken), knabbern an irgendeinem Kindheitstrauma damit, wo man sie einmal als "Nichtsänger" abgestempelt hat. Und ich bin nicht unbedingt die Person, um Minderwertigkeitsgefühle wegen einer nicht so tollen Stimme abbauen zu helfen - ich empfinde das sogar als Belastung, daß ich mit meiner (in gewissem Grade insulären) besonderen Begabung andere manchmal einschüchtere.
Mehrstimmigkeit ist auf alle Fälle eine Möglichkeit, ein einfaches Ostinato als Unterstimme halten kann (zu mehreren) auch jemand, der nicht so melodiesicher ist. Im Göttinnenklang gibt's* ja mehrere Beispiele für richtig schöne Mehrstimmigkeit. Sowas setzt halt ein bißchen Vorbereitung voraus oder daß man ein gewisses Repertoire "auf Abruf" hat. Das mit der Mehrstimmigkeit klappt für mich nämlich nur lustbringend, wenn ich ein "sicheres Fundament" in den anderen Stimmen habe und selbst meine Stimme auch sicher beherrsche.

Auch improvisieren und komponierte Musik schließen sich ja nicht aus - sogar in der klassischen Musik gibt's Bereiche, wo nur die Akkorde oder ein grobes Melodiegerüst vorgegeben waren und natürlich der Takt; die genaue Ausführung des Ganzen war dann den Musikern überlassen, z.b. im Generalbaß oder die Verzierungskunst in der barocken Musik. Daß alles ausnotiert und gar nichts mehr improvisiert wird, ist ein relativ junges Phänomen.

Vielleicht sollte ich gar nicht von heidnischer Musikpraxis im Singular sprechen. Vielleicht gibt's da durchaus mehrere Wege, die sich ergänzen oder auch einfach nur verschiedene Präferenzen befriedigen.

@Ulrike: Danke für den Tip!

*Wurzeline, ich zähle drauf, daß Du den bald wieder aufmachst!
distelfliege - 28. Apr, 21:48

tjo..

Hm, echt, Bruststimm-Brüll-Unfähigkeit?
Das macht doch Spaß *g* (Moskau, Moskau...)
Ich könnte zwar Kopfstimme, aber mir macht das keinen Spaß, d.h. für mich hört mein Tonumfang genau da auf, wo Kopfstimme anfängt. Können theoretisch schon, wollen - naja *g*

>>Musizieren mit unterschiedlichen Niveaus. Hm. Da sage ich mir: da muß doch mehr gehen als Einpendeln auf niedrigstem Niveau?

Wieso niedrigstes Niveau? Ich mein, diese Chants sind jetzt weder dein Geschmack noch meiner, aber diese kann man durchaus auch schön und gut singen. Da hindert einen niemand dran.

Ich hab so für mich das Ganze so abgebucht, daß die Schönheit von Musik im Ohr der hörenden Person liegt, genauso wie optische Schönheit im Auge der Betrachterin liegt. Z.b. letztens wo Jana einen Chant aufgenommen hat.
Klar waren da Töne "falsch", aber ihre erzählende Singweise, ich würde mal sagen "Schauspielqualität", also ICH kann das nicht, da bin ich wiederum nicht so begabt. Also diese vielen Facetten von Gefühlsausdruck. Bin ich echt begeistert. Oder ich hab schon paarmal mit Esme getönt. Esme hat so ne ganz eigene Form von Tonalität (ha, neues Wort gelernt), die, wenn man das bewusst machen wollte, wahrscheinlich ein mehrjähriges Musikstudium erfordern würde. Ich hab auch so meine eingeschliffenen Bahnen, und für mich ist das einfach was seltenes, anderes, und die Tönerei und Improvisiererei mit Esme zähle ich zu einigen meiner stimulierendsten "mit anderen Singen-Erfahrungen". Ausserdem hat Esme so einen "Flow" in der Stimme.
Was oft vergessen wird, ist, daß "herkömmlich schön klingen" eine einzige Form von Ausdruck ist, und da liegen die Talente eben unterschiedlich, manche könnens, anderen fällt es sehr schwer. Daß mir z.b. diese erzählerische Qualität von Jana, oder der natürliche "Flow" und die abgefahrene Tonalität von Esme fehlen, fällt dagegen kaum wem auf. Weil es landläufig nicht als Kriterium für "schön klingen" gilt.

Für mich ist mehrstimmig Singen-Können nicht gleich "hohes Niveau".

>>Mehrstimmigkeit ist auf alle Fälle eine Möglichkeit, ein einfaches Ostinato als Unterstimme halten kann (zu mehreren) auch jemand, der nicht so melodiesicher ist.

Ich weiß jetzt nicht, was Ostinato ist, müsste ich bei Wikipedia nachgucken - aber wenn man vll. nicht melodiesicher ist, und dann zum "einfachen Ostinato-Esel" verdonnert wird, während die eigenen Talente möglicherweise nicht als "hohes Musikniveau" erkannt werden - dann ist das nicht unbedingt erstrebenswert.

>>Das mit der Mehrstimmigkeit klappt für mich nämlich nur lustbringend, wenn ich ein "sicheres Fundament" in den anderen Stimmen habe und selbst meine Stimme auch sicher beherrsche.

Ja, dann machts schon Spaß, allerdings befindet man sich dann entweder im Eliteclub der Melodiesicheren oder man kümmert sich jeweils drum, stur die eigene Stimme so laut zu singen, daß diejenigen die neben einer sitzen, nicht raus kommen. So verschenkt jeder sein Potential.

Improvisieren und komponierte Musik, das schließt sich tatsächlich für Profis nicht aus, aber für Laien wie mich z.b. schließt es sich so ziemlich aus. Zu so ganz einfachen vorgegebenen Sachen wie Chants gehts schon, hab ich auch schon in ner Runde erlebt - aber sowas schwebt dir ja nicht vor.

Also, das klingt jetzt alles so negativ - das Wort "Eliteclub" usw. ;)
Es kommt halt drauf an, was man möchte, also ob man gemeinsames Singen mit denen, die eben da sind, möchte, oder ob man eben lieber was bestimmtes Singen möchte. Für letzteres sind "Eliteclubs" schlicht das Mittel der Wahl und diese nennen sich Chöre, Bands, eben Gruppen von MusikerInnen. Sowas gibts ja nicht wegen nichts. *g*

Was auch ne Möglichkeit wäre, wäre, eine Gruppe von Laien zu einem Chor oder Orchester spontan zusammenzuschweissen, wie z.b. das Lilia mit ihrem Trommelworkshop gemacht hat, der dann so erfolgreich war, daß die Gruppe nach wenigen Stunden üben ein Ritual bravourös untermalen konnte. Das erfordert dann aber wieder Bandleaderqualität und musikpädagogische Ambitionen, also Leuten helfen, Leute lehren, Leute zusammenbringen, motivieren... das muss einem auch Spaß machen. Wenn man darin extrem gut wäre, dann würde man auch die Qualitäten der Einzelnen direkt erkennen und versuchen, die genau an einzuflechten, wo ihre grösste Stärke ist, so daß es für alle so richtig gut wird. Also, mir fällt als "Lösung" nur die KonzertmeisterIn ein. Was meinst du?
Woher nehmen?
Ulrike (anonym) - 28. Apr, 08:18

Bin etwas spät dran mit Kommentieren - ich bin über deine Vrostellung im ER_Forum hergekommen - und was soll ich sagen: genau diese Gedanken hatte ich vor einiger Zeit auch. Ich habe früher viel Chormusik gemacht, hauptsächlich sakrale (mein Großvater war Kirchenmusiker, Komponist und Chorleiter), und ich glaube, die spirituelle Erfahrung beim mehrstimmigen Gesang während des Kultes (geal, welcher Religion) ist für die Sänger idR größer als für die Zuhörer. Kommt wohl auf die Performance an. :-)
Ich hatte in letzter Zeit zweimal die Gelegenheit, während eines katholischen Gottesdienstes (eine Beerdigung und die Konfirmation meines Patenkindes) Chormusik zu hören, das 'Pie Jesu' aus dem Requiem von Faure und das 'Halleluja' aus Händels Messias. Beides hat mich wirklich zutiefst aufgewühlt (naja,das'Pie Jesu' ist ein alter Favorit) und mitgenommen, und es war nicht der Text, der dies bewirkt hat, sondern, daß diese Musik eine Erhabenheit transportiert, die dem Hörer eine Ahnung davon vermittelt, wie es ist,sich der Gottheit zu nähern. Klingt pathetisch, ist aber bei mir so. :-)
Ich besitze und schätze die Musik der Singvögel und speziell Karans Solosachen, aber dahin müssen wir erst noch kommen.
Eira aus Magdeburg hat übrigens ein sehr schönes Freyja-Lied geschrieben (ich glaub, auf der Skaldenmet-Seite ist das zu hören), das könnt ich mir auch mehrstimmig und instrumental begleitet sehr schön vorstellen, und eine gute Freundin mit einer wunderbaren Stimme singt oft beim Blot oder Sumbel den
ersten Merseburger Zauberspruch mit einer sehr schönen Melodie (nicht die von Ougenweide, die ist aber auch nett).
Chants find ich nett zur Einstimmung aller Teilnehmer auf den Ritus.
Liebe Grüße
Ulrike

ryuu - 29. Apr, 14:15

@Distel: Ja, ich bin ECHT unfähig, beim Singen zu brüllen, schon seit Kindertagen. Daß ich überhaupt sowas wie eine Bruststimme besitze, hab ich erst nach Jahren Gesangsunterricht rausgefunden! Könnte ich es, hätte ich vielleicht auch Spaß dran, aber es geht nicht - und ich will's auch gar nicht. Das Äquivalent ist bei mir Kopfstimme, zweigestrichene Oktave, großer Melodiebogen, Riesen-Melodieumfang - da hab ich dann Spaß dran (gesangliches Äquivalent von nerdiness, schätz' ich) und diese Art zu singen ist bei mir so "ab Werk fest implementiert", daß was anderes gar nicht geht. In dem Punkt sind wir wohl diametral unterschiedlich.

Ostinato: Eine immer wiederholte Grundmelodie. Braucht nicht zwingend kurz oder ultrasimpel zu sein. Macht man beim Kanon im Grunde was anderes? Und Kanons finde ich immer wieder sehr spaßig.
Ach, ich will hier ja auch nicht lautstark "Niveau!!!" brüllen - ich frag mich wirklich, ob die einzige Lösung so eine Trennung der "Musikalischen" von den "Unmusikalischen" ist - oder daß ich mich halt beim Chanten langweile. Vielleicht ist "Niveau" ja auch das falsche Wort, mir geht's um "sich gefordert(er) fühlen". Fragt sich auch nach dem Zweck: will ich mich in Trance chanten oder geht's tatsächlich darum, tollen Klang zu produzieren?

Du machst halt gerne frei improvisierte Musik. Mir ist das nicht so sehr was (ich mach's auch mal gerne, aber es ist eben nicht die Form, in der ich meine Erfüllung finde). Sind wir halt unterschiedlich, warum soll's nicht unterschiedliche Praktiken von "heidnischer Musik" geben?
@Musikpädagogik - ich kriege auch bei der Diskussion richtig Lust, meine musikpädagogischen Basiskenntnisse und meine Rudimente von Chorleitungsausbildung wieder rauszukriegen. Für die, die Bock haben. Ist ja kein Muß.

Bei der ganzen Sache denke ich mir, ich sitz hier und äußere mein Ungenügen und geh' aber nicht hin und mach's einfach besser. Warum? Weil ich nicht weiß, in welche Richtung? Weil ich mich mal wieder frage, ob ich die einzige bin?
Vielleicht sollt' ich mir zum musikalischen Austoben einfach Leute suchen, mit denen ich spontan in vierstimmigen Bruckner oder auch Monteverdi ausbrechen kann. *grübel*

distelfliege - 30. Apr, 00:06

Hm..

..naja, also bei "frei improvisiert" gibts halt nicht die "Können-Barriere" sondern die "Mut-Barriere".
Die ist auch nicht ohne. Das heißt aber, Impro kann die Trennung zwischen Musikalischen und "Unmusikalischen" aufheben, WENN man den Mut fasst, bzw. auch Mut macht. Und dann kann ein toller Klang entstehen.

Für deine Zwecke reichts einfach nicht, d.h. nicht, daß ich das schlechter fände, sondern daß ich denke, es bräuchte halt eine/n KonzertmeisterIn um dahin zu kommen, wo du hinwillst.
Karan (anonym) - 3. Mai, 11:10

Die Worte "musikalisch" und "unmusikalisch" gehören ersatzlos aus jeder Sprache dieser und aller anderen Welten gestrichen! ;-)

Mei, ryuu und Distel, es ist wirklich ein Jammer, daß Ihr so arg weit weg wohnt! Was könnten wir Schönes gemeinsam singen!

Ryuu, beim Monteverdi rennst Du übrigens bei mir offene Türen ein. Und da Du so schön kopfgestimmt bist, streiten wir uns auch nicht um die Altstimme...
Kennst Du eigentlich die wilden Madrigale von Gesualdo?
(Ach, das fehlt mir alles so sehr. Hab im Studium mal in einem Vokalquartett gesungen und im Kammerchor, das war absolut genial.)
ryuu - 3. Mai, 12:18

@Karan

Mit der Musik ist es wie mit jeder anderen Kunst auch, es gibt vielleicht so etwas wie Anlagen und Neigung, aber ich halte auch nichts davon, Menschen als "unmusikalisch" oder "kann nicht singen" abzuqualifizieren. Zumal ich manchmal Leute behaupten gehört habe, daß sie nicht gut singen, wo ich das nicht unterschreiben würde.
Ich bin z.b. auch nicht in allen "musikalischen Disziplinen" gut, ich bin z.B. rhythmisch ein ziemlicher Noob. Vielleicht liegt mir auch einfach die klassische Umgehensweise mit Rhythmus nicht - ist fast peinlich, zuzugeben: beim Zählen vergesse ich immer, wo ich bin! Und die große Improvisatorin bin ich auch nicht.

Und natürlich kenne ich Gesualdos geniale, düstere Madrigale. Gänsehaut!
Ja, ich glaube, ich muß allein aus Musikgründen schon mal die Aett besuchen...
Karan (anonym) - 6. Mai, 12:18

Was machst Du denn am ersten Augustwochenende? ;-)

ryuu - 6. Mai, 13:57

öhm, weißichnochnich, aber ich vermute, JETZT hab ich was vor... oder?
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