politisch

2
Dez
2008

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Mein armes Leben die xte: die H4-Regelsätze

sind eventuell verfassungswidrig, und das Mindener Arbeitslosenzentrum ruft dazu auf, Überprüfungsanträge zu stellen. (via felisylvestris)

Und immer, wenn so ein Aufruf rumgeht, hab ich ein schlechtes Gewissen, daß ich nicht mitmach. Nun hab ich die Ungerechtigkeit des Systems schon genug erfahren und fühl mich materiell ringsum im Soll (tatsächlich hab ich schon vorher einen Haufen Schulden gehabt, jetzt ist der Haufen noch etwas größer geworden), und doch fehlt die Kraft, auf die Barrikaden zu gehen. Ich bin einfach mit Überleben beschäftigt. Damit, so schnell wie möglich von diesem Amt loszukommen. Ich fühle mich total unsolidarisch und "rette sich wer kann"-technisch dabei. Und doch bin ich schon froh, wenn ich auf der Papierflut, die ich eh schon habe (geschätzt 2-3 Schreiben pro Monat vom Amt, seit ich im April wieder angefangen habe zu arbeiten), obenauf bleibe. Durchblicken tu ich da schon lange nicht mehr und empfinde nur hilflose, ohnmächtige Wut, wenn ich an dieses Amt denke. Für mich gibt's nur eine Lösung des ganzen Problems: Die Abschaffung des kranken, willkürlichen und menschenverachtenden Systems Hartz IV und eine Wirtschaft, die wieder Arbeit mit Hand und Fuß bietet, dh: Arbeit, von der mensch leben kann.
Aber wie soll das funktionieren, wenn ich in Bewerberbroschüren von Konzernen Beschreibungen aus lauter Worthülsen lese, wo ich mich frage: ja, was stellen die eigentlich her? Wo kann ich in einen Laden gehen und deren Produkt kaufen, und was halte ich dann in der Hand? Genau das sind die Beschreibungen, wo es mich gar nicht überrascht, wenn eine wirtschaftliche Blase nach der nächsten platzt. Da hab ich dann den Eindruck, da haben Unternehmen die Bodenhaftung aka den Bezug zum gewöhnlichen Menschen, zum Verbraucher verloren. Ohne Produkte, mit denen Menschen was anfangen können, und ohne Arbeit, von und mit der man leben kann, kann aus einer gesunden Wirtschaft nix werden. Mein ich jetzt mal. Und ich glaube, das läuft in der gesamten Wirtschaft ganz gewaltig schief. (Hm, ich glaube, ich hab grad was gefunden, was unbedingt noch die nächste Ausgabe meines Vision Statements muß.)

Sogar die Zeit, diesen Eintrag zu schreiben, hab ich nur, weil ich grad mit Gesellschaft von irgendwelchen netten Viren zuhause sitze.

31
Okt
2008

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Hartz IV - der Tragödie nächster Akt

OK, mittlerweile kann ich fast schon drüber lachen, zumal sich im Moment gerade eine ganz wesentliche Besserung meiner Finanzlage abzeichnet, ich bin nämlich optimistisch, daß meine derzeitige Firma mich nach meinem Praktikum als reguläre Mitarbeiterin weiterbeschäftigt. Heute kam ein Brief vom Jobcenter, mein Widerspruch gegen den letzten Brief sei gar nicht zulässig gewesen, weil es ja kein Bescheid war, sondern nur eine Anhörung.
Nun denn. Ich bin gespannt, was sie zur Sache sagen. Und wie bis dahin meine Lage ist.

24
Okt
2008

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Mein armes Leben X: Demütigung, Bevormundung, Überwachung

Nicht jeder, der arm ist, sucht sich staatliche Unterstützung. Aber viele sind drauf angewiesen.

Und damit kommen Dinge wie: Einfach mal was, das ich nicht brauche, übers Netz verticken? Lohnt meistens nicht. Denn erstens muß ich die Einkünfte dann angeben (als ich noch Wohngeld bezog, ab einem bestimmten Freibetrag, unter H4-Bezug jeden Cent), und damit ist das Finanzchaos dann super angeheizt und meistens auch der größte Teil der zusätzlichen Einkünfte weg, weil natürlich entsprechend gekürzt wird. Es einfach nicht deklarieren ist dank Pflicht zur Offenlegung von Konten keine Option. (Zumindest nicht für mich: ich habe schon genug Streß mit dieser speziellen Behörde.) Mir eine Bahnfahrt von Muttern oder Großmama sponsern lassen? Geht aus demselben Grund nicht. Finanziell habe ich für die Behörden ein gläserner Mensch zu sein.

Abwesenheit aus B-Stadt? Vorher einen Antrag stellen - bei der Reaktionsgeschwindigkeit der Behörde mindestens drei Wochen vorher, persönlicher Termin, hindackeln, anstehen. 21 Kalendertage darf ich übrigens maximal im Jahr abwesend sein. Das ist verdammt wenig, wenn mensch Familie und Freunde in weiterer Entfernung hat. Und was geschähe, wenn ich nun, sagen wir, kurzfristig zu einem Vorstellungsgespräch nach Ba-Wü eingeladen würde: ich wage nicht dran zu denken.

Überhaupt ist diese ewige Zum-Amt-Dackelei, daß man selbst Aufstände machen muß ohne Ende, um mal die zuständige Person zu erreichen, selbst aber bitteschön ständig zur Verfügung zu stehen hat, die Aufforderung, soundsoviele Bewerbungen pro Monat zu schreiben (viel hilft bekanntlich viel), will sagen: das ganze System ALG II ungeheuer demütigend und eine einzige Beleidigung des juristischen Prinzips der Unschuldsvermutung.

Jedem, der diese Schikanen für gerechtfertigt hält, wünsche ich, daß er sie mal am eigenen Leib erfahren muß.

Ach übrigens: ich habe zur Zeit (mindestens noch bis Ende November) einen Job. Vollzeit. Das Einkommen daraus reicht bloß nicht zum Leben.

19
Okt
2008

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Mein armes Leben IX: Zukunftsperspektive?

Wie ich im vorigen Beitrag schrieb, geht Armut ja oft mit unsicheren Jobs einher, man hat einfach keinen Spielraum und keine Reserven. Und für mich ergab sich daraus, daß ich nicht weit planen kann. Dabei bin ich ein Mensch, der zwar gern im Hier und Jetzt lebt, aber eine Zukunftsperspektive zu haben, die sich nicht alle drei Wochen ändert, über ein halbes Jahr vorausplanen zu können und Dinge, die einem dazwischenfunken, abfedern zu können, das ist so unglaublich komfortabel - und ich denke mir, daß ich mich damit im Hier und Jetzt auch viel entspannter bewegen könnte. Das hätte ich gerne mal.

17
Okt
2008

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Mein armes Leben VIII: Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt

Oft, aber nicht immer, hat Armut damit zu tun, daß mensch keinen Job hat. Oder mit der Erwerbsarbeit zu wenig verdient. Hart gesprochen: in manchen Jobs kann mensch sich abrackern bis zum Umfallen und verdient doch nix. Und das liegt nicht immer nur am reinen Stundenlohn, sondern oft genug auch an den Konditionen.

Ich habe während der letzten Jahre meines Studiums etliche Jobs gemacht. Meistens im Callcenter (übrigens eine Einrichtung, die ich für eine Pest halte). Da wurde nicht nur meistens auf Rechnung bezahlt, sondern es wurde oft nur die Zeit, die man tatsächlich am Telefon verbrachte, gezahlt - das macht bei einer Vier-Stunden-Schicht schon mal mindestens eine Viertelstunde aus. Es wurde mit einem angenehmen Betriebsklima, einem "jungen, dynamischen Team" und teilweise (für die Branche) irren Stundenlöhnen geworben.
Die Dynamik war dann meistens, daß irrer Quotendruck ausgeübt wurde, das angenehme Betriebsklima kann lediglich in den Hirnen sadistischer Teamleiter existiert haben, Mitarbeiter wurden mit absurden Vorgaben unter Druck gesetzt und öfter mal wunderte es mich nicht, daß das Produkt sich nicht verkaufte - es waren schlicht Dinge, die die Leute entweder schon hatten oder nicht brauchten. (Fragt nicht nach: Ich werde keine Details nennen.) Ich kam mir manchmal richtig prostituiert vor, weil das, was ich den Leuten da im Brustton tiefster Überzeugung zu erzählen hatte, in krassem Widerspruch zu dem stand, wovon ich wirklich überzeugt war.
Soziale Absicherung? Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (in einem Job, der so sehr auf die Stimme geht, daß eine Erkältung auf jeden Fall Arbeitsunfähigkeit bedeutet)? Kalkulierbare Einkünfte? Mindestarbeitszeit? Bezahlter Urlaub gar am Ende? Pustekuchen. Stundenlöhne lagen zwischen acht und neun Euro brutto, ein Vierteljahr lang habe ich auch mal für sechs Euro brutto gearbeitet.

Prekär arbeiten heißt im Klartext:
- Werde bloß nicht krank, das kannst Du Dir nicht leisten. Auskurieren übrigens erst recht nicht.
- Urlaub? Auf eigene Kosten. Wo denkst du auch hin, wer braucht schon Urlaub. Regeneration ist für Weicheier.
- Ergonomie, ein Arbeitsplatz, der nicht krank macht, brauchbares Arbeitsmaterial? Luxus!
- Erwarte nicht, daß du ein verläßliches Arbeitsvolumen bekommst. Haben wir keine Arbeit für dich - Pech gehabt.
- Wie, Sozialversicherung? Kündigungsschutz? Gibt's hier nicht.
- Einen vernünftigen Stundenlohn willst du? Schaff gefälligst mal ein paar Abschlüsse mehr an den Laden, dann gibt's Leistungsprämien.
- Was Du leistest, ist nie gut genug. Der Arbeitgeber versucht, mit maximalem Druck das Letzte aus Dir rauszuquetschen, aber Dir nur das zu zahlen, was er muß.

Ich finde den Druck, der seit den Hartz-Reformen ausgeübt wird, jeden auch noch so bekackten Job anzunehmen, zum Kotzen. Nicht nur, daß mensch so ungeheuer schnell in einem umwürdigen Job festsitzt, es birgt m.E. den Keim einer Aushöhlung des Arbeitsrechts. Wenn Arbeitnehmer weniger als zuvor mit den Füßen abstimmen können und sich mehr als vor der Einführung von Hartz IV immer ein Dummer findet, der die Kohle gerade so dringend braucht, daß er auch den letzten Drecksjob zu den beschissensten Konditionen macht, sind am Ende die Arbeitgeber, die vernünftig mit ihrem Personal umgehen, die Dummen.

Ich würde gern raten, solche Jobs bloß nicht anzunehmen. Aber ich weiß gut genug, wie es ist, so verzweifelt Kohle zu brauchen, daß man jeden Mist annimmt.
Und ich weiß auch, wie es ist, wenn mensch den Drecksjob nicht kündigen kann, weil einem sonst das Amt aufs Dach steigt.

Aber ich empfehle Günter Wallraffs Reportage über Callcenter in der Zeit. Gegen die Konditionen, die da geschildert werden, sind meine Erfahrungen harmlos.

16
Okt
2008

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Mein armes Leben VII: Nicht vom Fleck kommen

Das Internet ist insofern ein Segen, als ich da sehr viele liebe Menschen kennengelernt habe, als ich meine Nische finden konnte und mit mir geistesverwandten Menschen an einem Strang ziehen kann. Ich habe jetzt Freunde in ganz Deutschland, ein paar auch in der Schweiz und in Österreich. Schwierig wird's nur, wenn ich diese Freunde dann auch mal in real life sehen will.

Da muß ich z.B. lieben Leuten, die mich zu Jul nach Westdeutschland eingeladen haben, sagen, daß ich das erst ganz spontan entscheiden kann, weil so unsicher ist, ob ich da gerade Arbeit habe und vor allem; weil ich noch nicht weiß, ob und wie ich die Fahrt bezahlen kann. Und ich würde doch so gern kommen!
Oder wie gern würde ich meine beste Freundin - wohnhaft im Saarland - mal wieder besuchen. Ich habe sie seit über einem Jahr nicht persönlich gesehen.
Oder meine Familie. Auch lang nicht mehr gesehen.

Billig bahnfahren oder Billigflieger fällt angesichts dieser Planungsunsicherheit aus. Mitfahrgelegenheit finden: Anstrengend und nervig - und kostet auch was. Trampen: will ich nicht. (Ganz abgesehen davon, daß ich lange Strecken im Auto hasse.)

Jetzt könnte man natürlich sagen, such dir doch deine Leute in Berlin. Tja: Ich hab's versucht - aber gerade im spirituellen Bereich kann mir jetzt nichts diese Nische, die ich da gefunden habe - ersetzen. Und meine beste Freundin kann eh nichts und niemand ersetzen.

15
Okt
2008

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Blog Action Day 08: Poverty

Eine Zusammenfassung des Geschehens - wie es eigentlich zu diesem Blogeintrag kam:
Ich habe seit Anfang Oktober so einige Beiträge über Armut und auch einige über Wohlstand geschrieben. Seinen Ausgang nahm das Ganze von einer Blogaktion, die sich eigentlich mit den kostenlosen schönen Dingen im Leben befaßte, wo mir plötzlich auffiel: Gehören Dinge, die etwas kosten - egal wieviel - nicht auch manchmal geschätzt?
Und ist das Feiern der kostenlosen Lebensfreuden, wenn man es ausschließlich zelebriert, nicht insofern gefährlich, als es dazu führen könnte, daß materielle Bedürfnisse dem "immateriellen" Luxus gegenüber als sekundär oder unwichtig abgekanzelt werden? Birgt eine Bescheidenheitsdebatte und der Blick auf die nicht nur Armen, sondern Elenden (Stichworte: Dritte Welt, Obdachlose) nicht die Gefahr, daß Bedürfnisse, etwa nach einer guten Wohnung, gesundem Essen (ja, schaut Euch mal die regulären Gemüsepreise an!), aber auch Bildung und Ausbildung (für mich nicht deckungsgleich), Kultur, Kommunikation und Mobilität wegdiskutiert werden?

Manchmal komme ich mir ja sehr anspruchsvoll vor, wenn ich über "mein armes Leben" schreibe. Aber allein schon, daß ich so empfinde, werte ich als Zeichen, wie sehr die Indoktrination des "Verdienens" und der "materiellen Bescheidenheit", die man als Mensch mit geringem Einkommen gefälligst aufzubringen hätte, des vermeintlichen Realismus ("so ist halt das Leben, du kannst nicht alles haben") in meinem Hirn klebt.
Und ich meine auch: Das Elend der noch Ärmeren macht das Leid der Armen nicht geringer. Und es nimmt mir in keiner Weise das Recht, Anspruch auf das zu erheben, was ich unter einem guten Leben verstehe.
Ganz unabhängig davon, wie viel oder wenig ich bezahlt arbeite (aktuell sind es übrigens 40 Stunden mit leichter Tendenz zu nicht bezahlten Überstunden), was für eine Ausbildung ich habe (in meinem Fall ein abgeschlossenes Universitätsstudium) oder wie erfolgreich meine Karriere in einem "seriösen" Beruf ist (bislang nicht sonderlich, was auch an meiner im Grunde meines Herzens künstlerischen Veranlagung liegen mag).

Hier meine bisherigen Beiträge zum Thema "Mein armes Leben":
Ich bin arm. Und Du?
Olle Schuhe und Kleider
Energieverschwendung
Mein gutes Recht
Bruchbude
Krankhafter Geiz

Es werden noch einige kommen, ich habe mir wieder zum Ziel gesetzt, zehn Beiträge zu schreiben. Stay tuned!

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Mein armes Leben VI: Rücklagen??

In den letzten Jahren habe ich mal etwas mehr, mal etwas weniger gehabt, als ich gerade zum Überleben brauche. Meistens habe ich von der Hand in den Mund gelebt, manchmal von bescheidenen Reserven gelebt, die ich in einer kurzen Zeit relativen Wohlstands angesammelt hatte und die letzten Monate meines Studiums habe ich wirklich von der Substanz gelebt. Langfristige Reserven, von denen ich nicht wußte, daß sie in absehbarer Zeit wieder aufgezehrt werden, konnte ich dagegen nie bilden. Und das nervt.
Seien wir ehrlich: Unvorhergesehene Ausgaben kommen immer wieder. Da geht z.B. was kaputt/man verliert was etc. und es muß schnell ersetzt werden. Oder ich brauchte dann doch mal kostenpflichtige Software fürs Studium oder ein Skript oder Buch, wo Ausleihen nicht infrage kam. Ohne Reserven wird das zu einem echten Drama, während ich mir denke, daß das mit etwas mehr Finanzpolster leichter wegzustecken ist.
Wie gerne würde ich Rücklagen bilden, eben für solche Fälle - aber wovon, wenn das vorhandene Einkommen gerade für das Notwendigste reicht, wenn ich mir den bescheidenen Spielraum, den ich mir einfach nehme, mit roten Zahlen erkaufe?

14
Okt
2008

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Mein armes Leben V: Krankhafter Geiz

Diesmal nichts, was man sehen und anfassen kann: ich habe ein total verkrampftes Verhältnis zum Geld und zum Geldausgeben. Geldausgeben, selbst für notwendige Dinge, ist für mich mit krassen Schuldgefühlen besetzt. Notwendige und sinnvolle Anschaffungen schiebe ich oft vor mir her, solange ich irgendwie ohne sie klarkomme - in der falschen Hoffnung, daß ich mit solcher Sparsamkeit wenigstens nicht ganz so tief in die roten Zahlen rutsche. Denn das funktioniert nur bis zu einem gewissen Grade. Wenn ich mich nicht so knapp bei Kasse und nicht so unsicher in meinen Einkommensquellen fühle, ist das bezeichnenderweise besser, aber so wohlhabend und abgesichert, daß ich wirklich entspannt mit Geld umgehen kann (ohne gleich in wilden Kaufrausch auszubrechen), war ich lange nicht mehr.
Dieses ewige Sich-was-verkneifen, was man eigentlich braucht: einen Kochtopf, Mobiliar, Kleidung, Technik..., das erzeugt für mich erst dieses traurige Gefühl von Ausgeschlossensein und Mangel, das für mich - gefühlte - Armut charakterisiert.

12
Okt
2008

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Mein armes Leben - eine Zwischenbemerkung

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kommentatorinnen und Kommentatoren, insbesondere liebe Perdita.

Ich glaube, ich muß nochmal an den Zweck dieser Artikelreihe erinnern - hier bereits gründlich erläutert - , der ein dokumentarischer und auch politischer ist. Ich will hier darstellen, wie sich Armut in meinem Leben manifestiert hat bzw. noch tut und ich persönlich will zeigen, daß meine materielle Unzufriedenheit nichts mit "Luxus" (wie in: Lamborghini, Kaviar und diamantbesetze Uhren) zu tun hat, sondern mit Dingen, die für Durchschnittsverdiener relativ trivial sein mögen.
Ich will genau nicht zeigen, daß man doch mit wenig Geld prima leben kann, weil ich den Fokus darauf für politisch gefährlich halte. So wird nämlich Mangel wegdiskutiert, weil die Leute, die ihn mit allerlei Tricks bewältigen, "ja so prima klarkommen".

Ich will eigentlich keine praktischen Ratschläge, denn ich habe für mich festgestellt, daß ich persönlich ein Leben in extremer materieller Bescheidenheit - auch wenn man es sich mit bestimmten Hacks halbwegs erträglich bis angenehm gestalten kann - nicht will. Es ist dasselbe, als wenn Ihr auf einem alten, langsamen, buggy Computer arbeitet, der's irgendwie, zwischen dem einen oder anderen Absturz, noch tut, wenn man nur bestimmte Programme nicht aufruft, bestimmte Einstellungen setzt, zig Features abschaltet etc. - wer hielte da den Wunsch nach einem aktuelleren Gerät oder zumindest nach einer Betriebssystem-Neuinstallation nicht für legitim?
Ich habe Wünsche, Träume und Ziele, von denen einige ohne Geld zu erreichen sind, viele jedoch nicht.
Wenn Ihr der Welt kundtun wollt, wie Ihr mit wenig Geld klasse klarkommt: schreibt bitte eigene Artikel auf Euren eigenen Blogs.

Eine letzte Anmerkung: Nein, es geht mir auch nicht elend deshalb. Ich will kein Mitleid. Meine Armut ist ein Teil meines Lebens, der mich schon lange begleitet und mein Leben ist deshalb nicht freudlos und vollkommen unfrei. Ich würde mich nur auch freuen, wenn sich daran irgendwann mal nachhaltig was ändert.
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