25
Okt
2008

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queere goten vol. V

Achja, die Zeit vergeht wie im Fluge: die nächste scheintot steigt am 29.11.2008 in der aha.

Die Party darauf ist auch schon geplant: am 3. Februarwochenende 2009 wird sie steigen. Demnächst beginne ich die Arbeit für den Flyer dafür, damit er auf dieser Party schon ausgelegt werden kann - aber dazu will zuerst mal ein Fotoshooting organisiert sein. Wir haben eine ganz spezielle Idee, die man in frei zugänglichen Bilddatenbanken nun mal nicht findet... laßt Euch überraschen.

24
Okt
2008

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Digitales in meinem bürgerlichen Leben

Ich arbeite gerade an einem Redesign meiner beruflichen Homepage (ja, ein Projekt, das lange warten mußte - anderes stand weiter vorn in der Warteschlange) und dann habe ich da noch ein Blog zum Thema Produktivität, Selbstorganisation, Zeitmanagement und akademisches Schreiben. Für alle, die's interessiert.
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Dinge, die's wert sind X: Blumen

Bei aller Armut und allem Knapp-Bei-Kasse-Sein - gerade dann, wenn es mir besonders dreckig geht, habe ich immer noch ein, zwei Euro übrig, um mir alle ein, zwei Wochen frische Blumen auf meinen Altar zu stellen. Er sieht zwar notorisch aus wie ein Kramladen (ist halt nicht zur Deko da, sondern wirklich ein Ort für das spirituelle Arbeitsgerät), aber mit Blumen wirkt er - und damit das ganze Zimmer - gleich etwas freundlicher und heimeliger.
Sicher macht mir das Blumenkaufen auch noch zusätzlich Spaß, weil die Händler meines Vertrauens einen bescheidenen, aber sauberen, ordentlichen und irgendwie sehr freundlichen Laden führen und unglaublich freundlich sind.
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Mein armes Leben X: Demütigung, Bevormundung, Überwachung

Nicht jeder, der arm ist, sucht sich staatliche Unterstützung. Aber viele sind drauf angewiesen.

Und damit kommen Dinge wie: Einfach mal was, das ich nicht brauche, übers Netz verticken? Lohnt meistens nicht. Denn erstens muß ich die Einkünfte dann angeben (als ich noch Wohngeld bezog, ab einem bestimmten Freibetrag, unter H4-Bezug jeden Cent), und damit ist das Finanzchaos dann super angeheizt und meistens auch der größte Teil der zusätzlichen Einkünfte weg, weil natürlich entsprechend gekürzt wird. Es einfach nicht deklarieren ist dank Pflicht zur Offenlegung von Konten keine Option. (Zumindest nicht für mich: ich habe schon genug Streß mit dieser speziellen Behörde.) Mir eine Bahnfahrt von Muttern oder Großmama sponsern lassen? Geht aus demselben Grund nicht. Finanziell habe ich für die Behörden ein gläserner Mensch zu sein.

Abwesenheit aus B-Stadt? Vorher einen Antrag stellen - bei der Reaktionsgeschwindigkeit der Behörde mindestens drei Wochen vorher, persönlicher Termin, hindackeln, anstehen. 21 Kalendertage darf ich übrigens maximal im Jahr abwesend sein. Das ist verdammt wenig, wenn mensch Familie und Freunde in weiterer Entfernung hat. Und was geschähe, wenn ich nun, sagen wir, kurzfristig zu einem Vorstellungsgespräch nach Ba-Wü eingeladen würde: ich wage nicht dran zu denken.

Überhaupt ist diese ewige Zum-Amt-Dackelei, daß man selbst Aufstände machen muß ohne Ende, um mal die zuständige Person zu erreichen, selbst aber bitteschön ständig zur Verfügung zu stehen hat, die Aufforderung, soundsoviele Bewerbungen pro Monat zu schreiben (viel hilft bekanntlich viel), will sagen: das ganze System ALG II ungeheuer demütigend und eine einzige Beleidigung des juristischen Prinzips der Unschuldsvermutung.

Jedem, der diese Schikanen für gerechtfertigt hält, wünsche ich, daß er sie mal am eigenen Leib erfahren muß.

Ach übrigens: ich habe zur Zeit (mindestens noch bis Ende November) einen Job. Vollzeit. Das Einkommen daraus reicht bloß nicht zum Leben.
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Ich bin so stinkwütend!

Ich könnte abwechselnd heulen und schreien. Heute einen Termin wegen dieser Angelegenheit da gehabt - Ergebnis: Bevor ich hoffen kann, einen juristischen Rat mit Hand und Fuß zu kriegen und das nicht aus meinen eigenen leeren Taschen zahlen zu müssen, muß ich erstmal abwarten, bis das Amt nochmal aus dem Knick kommt. (Details auf Nachfrage face to face.)

Ich bin so stinkwütend, daß ich mich krummgelegt habe, wirklich guten Willen gezeigt habe, jeder nur erdenklichen Pflicht nachgekommen bin - und was kriege ich dafür? Einen Tritt zwischen die Zähne und Finanzchaos, das mich noch monatelang beschäftigen wird.

Ich entwickle da wirklich Phantasien, die ich sonst nicht an mir kenne. Ich kenne an mir auch nicht, daß ich aufs System schimpfe und mich vollkommen ohnmächtig fühle und mir denke, wenn keiner meine Kooperationswilligkeit zu schätzen weiß und meine Bemühungen um materielle Selbständigkeit honoriert, dann kann ichs doch genauso gut schleifen lassen.

Natürlich ist schleifen lassen für einen Kontrollfreak wie mich absolut indiskutabel. Allein das Gefühl, daß mir danach wäre, macht mich krank.

23
Okt
2008

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verwöhnt

werde ich hier auf Arbeit, stell ich fest. Ich sitz vor einem riesigen Dell-TFT-Monitor mit jenseitiger Auflösung und meine olle Röhre daheim, die nix anderes als 1024x768 gescheit kann (ich hab sie zumindest noch nicht dazu gebracht, ohne daß es mir gnadenlos das Bild verzerrt hätte - unter Linux, wo ich bis heute die /&§$T#! nvidia-Treiber nicht zum Laufen bringe, ist das um so schlimmer), kommt mir da richtig schäbig vor.

Fällt mir nur grad so auf.

21
Okt
2008

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Musikpädagogische Lichter

gehen mir gerade auf: Ich lese dieser Tage "The Inner Game of Music" von Barry Green und Timothy Gallwey. Da geht es um mentale Aspekte des Musizierens und wie man sich selber weniger im Weg steht beim Musikmachen, wie man konzentrierter, entspannter, mit mehr Selbstvertrauen und Spaß an der Sache sein volles Potential beim Musizieren entfaltet. Und jetzt ahne ich ganz schattenhaft, was meine Professorin damals von mir wollte, was aber volle Pulle nach hinten losgegangen ist in laienhaftes Psychologisieren, so daß ich fast heulen mußte, als ich mal bei ihrem Lehrer Unterricht hatte ohne Psychologisiererei. Autsch.

Und jetzt schleicht sich grad die nächste Erkältung an. Halsweh, ich möchte einfach nur die Klappe halten. Bäh. Nun, dann werd ich eben Greens Anregungen erstmal auf der Gitarre umsetzen - willkommener Anlaß, die abzustauben und tatsächlich mal wieder zu spielen.

19
Okt
2008

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Mein armes Leben IX: Zukunftsperspektive?

Wie ich im vorigen Beitrag schrieb, geht Armut ja oft mit unsicheren Jobs einher, man hat einfach keinen Spielraum und keine Reserven. Und für mich ergab sich daraus, daß ich nicht weit planen kann. Dabei bin ich ein Mensch, der zwar gern im Hier und Jetzt lebt, aber eine Zukunftsperspektive zu haben, die sich nicht alle drei Wochen ändert, über ein halbes Jahr vorausplanen zu können und Dinge, die einem dazwischenfunken, abfedern zu können, das ist so unglaublich komfortabel - und ich denke mir, daß ich mich damit im Hier und Jetzt auch viel entspannter bewegen könnte. Das hätte ich gerne mal.

17
Okt
2008

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Mein armes Leben VIII: Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt

Oft, aber nicht immer, hat Armut damit zu tun, daß mensch keinen Job hat. Oder mit der Erwerbsarbeit zu wenig verdient. Hart gesprochen: in manchen Jobs kann mensch sich abrackern bis zum Umfallen und verdient doch nix. Und das liegt nicht immer nur am reinen Stundenlohn, sondern oft genug auch an den Konditionen.

Ich habe während der letzten Jahre meines Studiums etliche Jobs gemacht. Meistens im Callcenter (übrigens eine Einrichtung, die ich für eine Pest halte). Da wurde nicht nur meistens auf Rechnung bezahlt, sondern es wurde oft nur die Zeit, die man tatsächlich am Telefon verbrachte, gezahlt - das macht bei einer Vier-Stunden-Schicht schon mal mindestens eine Viertelstunde aus. Es wurde mit einem angenehmen Betriebsklima, einem "jungen, dynamischen Team" und teilweise (für die Branche) irren Stundenlöhnen geworben.
Die Dynamik war dann meistens, daß irrer Quotendruck ausgeübt wurde, das angenehme Betriebsklima kann lediglich in den Hirnen sadistischer Teamleiter existiert haben, Mitarbeiter wurden mit absurden Vorgaben unter Druck gesetzt und öfter mal wunderte es mich nicht, daß das Produkt sich nicht verkaufte - es waren schlicht Dinge, die die Leute entweder schon hatten oder nicht brauchten. (Fragt nicht nach: Ich werde keine Details nennen.) Ich kam mir manchmal richtig prostituiert vor, weil das, was ich den Leuten da im Brustton tiefster Überzeugung zu erzählen hatte, in krassem Widerspruch zu dem stand, wovon ich wirklich überzeugt war.
Soziale Absicherung? Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (in einem Job, der so sehr auf die Stimme geht, daß eine Erkältung auf jeden Fall Arbeitsunfähigkeit bedeutet)? Kalkulierbare Einkünfte? Mindestarbeitszeit? Bezahlter Urlaub gar am Ende? Pustekuchen. Stundenlöhne lagen zwischen acht und neun Euro brutto, ein Vierteljahr lang habe ich auch mal für sechs Euro brutto gearbeitet.

Prekär arbeiten heißt im Klartext:
- Werde bloß nicht krank, das kannst Du Dir nicht leisten. Auskurieren übrigens erst recht nicht.
- Urlaub? Auf eigene Kosten. Wo denkst du auch hin, wer braucht schon Urlaub. Regeneration ist für Weicheier.
- Ergonomie, ein Arbeitsplatz, der nicht krank macht, brauchbares Arbeitsmaterial? Luxus!
- Erwarte nicht, daß du ein verläßliches Arbeitsvolumen bekommst. Haben wir keine Arbeit für dich - Pech gehabt.
- Wie, Sozialversicherung? Kündigungsschutz? Gibt's hier nicht.
- Einen vernünftigen Stundenlohn willst du? Schaff gefälligst mal ein paar Abschlüsse mehr an den Laden, dann gibt's Leistungsprämien.
- Was Du leistest, ist nie gut genug. Der Arbeitgeber versucht, mit maximalem Druck das Letzte aus Dir rauszuquetschen, aber Dir nur das zu zahlen, was er muß.

Ich finde den Druck, der seit den Hartz-Reformen ausgeübt wird, jeden auch noch so bekackten Job anzunehmen, zum Kotzen. Nicht nur, daß mensch so ungeheuer schnell in einem umwürdigen Job festsitzt, es birgt m.E. den Keim einer Aushöhlung des Arbeitsrechts. Wenn Arbeitnehmer weniger als zuvor mit den Füßen abstimmen können und sich mehr als vor der Einführung von Hartz IV immer ein Dummer findet, der die Kohle gerade so dringend braucht, daß er auch den letzten Drecksjob zu den beschissensten Konditionen macht, sind am Ende die Arbeitgeber, die vernünftig mit ihrem Personal umgehen, die Dummen.

Ich würde gern raten, solche Jobs bloß nicht anzunehmen. Aber ich weiß gut genug, wie es ist, so verzweifelt Kohle zu brauchen, daß man jeden Mist annimmt.
Und ich weiß auch, wie es ist, wenn mensch den Drecksjob nicht kündigen kann, weil einem sonst das Amt aufs Dach steigt.

Aber ich empfehle Günter Wallraffs Reportage über Callcenter in der Zeit. Gegen die Konditionen, die da geschildert werden, sind meine Erfahrungen harmlos.

16
Okt
2008

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Mein armes Leben VII: Nicht vom Fleck kommen

Das Internet ist insofern ein Segen, als ich da sehr viele liebe Menschen kennengelernt habe, als ich meine Nische finden konnte und mit mir geistesverwandten Menschen an einem Strang ziehen kann. Ich habe jetzt Freunde in ganz Deutschland, ein paar auch in der Schweiz und in Österreich. Schwierig wird's nur, wenn ich diese Freunde dann auch mal in real life sehen will.

Da muß ich z.B. lieben Leuten, die mich zu Jul nach Westdeutschland eingeladen haben, sagen, daß ich das erst ganz spontan entscheiden kann, weil so unsicher ist, ob ich da gerade Arbeit habe und vor allem; weil ich noch nicht weiß, ob und wie ich die Fahrt bezahlen kann. Und ich würde doch so gern kommen!
Oder wie gern würde ich meine beste Freundin - wohnhaft im Saarland - mal wieder besuchen. Ich habe sie seit über einem Jahr nicht persönlich gesehen.
Oder meine Familie. Auch lang nicht mehr gesehen.

Billig bahnfahren oder Billigflieger fällt angesichts dieser Planungsunsicherheit aus. Mitfahrgelegenheit finden: Anstrengend und nervig - und kostet auch was. Trampen: will ich nicht. (Ganz abgesehen davon, daß ich lange Strecken im Auto hasse.)

Jetzt könnte man natürlich sagen, such dir doch deine Leute in Berlin. Tja: Ich hab's versucht - aber gerade im spirituellen Bereich kann mir jetzt nichts diese Nische, die ich da gefunden habe - ersetzen. Und meine beste Freundin kann eh nichts und niemand ersetzen.

15
Okt
2008

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Dinge, die's wert sind, IX: Chorwochenende

Tafel
Jetzt bin ich vor lauter Politbloggerei gar nicht dazu gekommen, von meinem Chorwochenende zu berichten - am Wochenende war ich nämlich mit dem Chor canta:re, wo ich seit Anfang August mitsinge, im Tagungshaus Baitz zum Proben. Schön war's, wir hatten sehr freundliches Wetter, und das Tagungshaus war sehr behaglich, liebevoll und ästhetisch eingerichtet und ließ es an nichts mangeln. Zum Haus gehörte eine Menge Tiere - Katzen, ein Hund (den ich nur in Begleitung des Hauswirts sah), zwei Schweine, Kaninchen, Meerschweinchen, zwei Schafe, zwei Ziegen, ein Esel, Hühner.
Am Sonntag haben wir dann noch im winzigen Dorfkirchlein für die Gemeinde (acht alte Damen plus Pfarrer) gesungen.
Wundervoll war auch der Wald in der Gegend, fast Märchenwald, mit weichem, dickem Moosboden, Tannen und Pilzen ohne Ende (einige aus dem Chor haben fleißig Pilze gesammelt). Davon gibt es leider keine Bilder, weil ich meine Hände brauchte, um Holz für unser Lagerfeuer am Samstagabend zu sammeln (da wurde dann übrigens spontan sehr viel von unserem Chorrepertoire gesungen - ach, am Feuer vier- bis achtstimmig a capella singen ist toll). Ich hatte die Ehre, zusammen mit einer weiteren Sängerin das Feuer anzuzünden, das ist auch eine Freude, die mir selten zuteil wird.

Meine Fotos vom Wochenende sind auf ipernity in meinem Album "Baitz Oktober 2008" zu sehen.

Dieser Beitrag paßt übrigens wunderbar in die "Dinge, die's wert sind"-Rubrik, weil dieser Chor ein e.V. ist, der sich aus Beiträgen seiner Mitglieder finanziert, und der Monatsbeitrag ist nicht wirklich ein Pappenstiel für mich, genau wie dieses Wochenende mich auch Geld gekostet hat (und hätte canta:re nicht eine Härtefallregelung, hätte ich nicht mitkommen können). Was unter anderem den Luxus ermöglicht, im Theaterhaus Mitte zu proben, ab und zu eine fitte, sympathische Sängerin als Stimmbildungs-Trainerin zu engagieren oder auch unseren Chorleiter zu bezahlen.

Ich hatte erst etwas Vorbehalte (die sich eher auf meine Eignung, überhaupt in einem Chor zu singen, bezogen), die sich aber verflüchtigt haben, und nach diesem Wochenende habe ich das Gefühl, jetzt bin ich endlich richtig angekommen bei canta:re. Und dieser Chor ist eine tolle Motivation für mich, dranzubleiben mit dem Stimmtraining und dem Singen.
Am 7.11. singen wir übrigens bei VOICES zugunsten von Aids-Waisen in Namibia. Wer Lust hat: Kommen und zuhören!
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Blog Action Day 08: Poverty

Eine Zusammenfassung des Geschehens - wie es eigentlich zu diesem Blogeintrag kam:
Ich habe seit Anfang Oktober so einige Beiträge über Armut und auch einige über Wohlstand geschrieben. Seinen Ausgang nahm das Ganze von einer Blogaktion, die sich eigentlich mit den kostenlosen schönen Dingen im Leben befaßte, wo mir plötzlich auffiel: Gehören Dinge, die etwas kosten - egal wieviel - nicht auch manchmal geschätzt?
Und ist das Feiern der kostenlosen Lebensfreuden, wenn man es ausschließlich zelebriert, nicht insofern gefährlich, als es dazu führen könnte, daß materielle Bedürfnisse dem "immateriellen" Luxus gegenüber als sekundär oder unwichtig abgekanzelt werden? Birgt eine Bescheidenheitsdebatte und der Blick auf die nicht nur Armen, sondern Elenden (Stichworte: Dritte Welt, Obdachlose) nicht die Gefahr, daß Bedürfnisse, etwa nach einer guten Wohnung, gesundem Essen (ja, schaut Euch mal die regulären Gemüsepreise an!), aber auch Bildung und Ausbildung (für mich nicht deckungsgleich), Kultur, Kommunikation und Mobilität wegdiskutiert werden?

Manchmal komme ich mir ja sehr anspruchsvoll vor, wenn ich über "mein armes Leben" schreibe. Aber allein schon, daß ich so empfinde, werte ich als Zeichen, wie sehr die Indoktrination des "Verdienens" und der "materiellen Bescheidenheit", die man als Mensch mit geringem Einkommen gefälligst aufzubringen hätte, des vermeintlichen Realismus ("so ist halt das Leben, du kannst nicht alles haben") in meinem Hirn klebt.
Und ich meine auch: Das Elend der noch Ärmeren macht das Leid der Armen nicht geringer. Und es nimmt mir in keiner Weise das Recht, Anspruch auf das zu erheben, was ich unter einem guten Leben verstehe.
Ganz unabhängig davon, wie viel oder wenig ich bezahlt arbeite (aktuell sind es übrigens 40 Stunden mit leichter Tendenz zu nicht bezahlten Überstunden), was für eine Ausbildung ich habe (in meinem Fall ein abgeschlossenes Universitätsstudium) oder wie erfolgreich meine Karriere in einem "seriösen" Beruf ist (bislang nicht sonderlich, was auch an meiner im Grunde meines Herzens künstlerischen Veranlagung liegen mag).

Hier meine bisherigen Beiträge zum Thema "Mein armes Leben":
Ich bin arm. Und Du?
Olle Schuhe und Kleider
Energieverschwendung
Mein gutes Recht
Bruchbude
Krankhafter Geiz

Es werden noch einige kommen, ich habe mir wieder zum Ziel gesetzt, zehn Beiträge zu schreiben. Stay tuned!

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Mein armes Leben VI: Rücklagen??

In den letzten Jahren habe ich mal etwas mehr, mal etwas weniger gehabt, als ich gerade zum Überleben brauche. Meistens habe ich von der Hand in den Mund gelebt, manchmal von bescheidenen Reserven gelebt, die ich in einer kurzen Zeit relativen Wohlstands angesammelt hatte und die letzten Monate meines Studiums habe ich wirklich von der Substanz gelebt. Langfristige Reserven, von denen ich nicht wußte, daß sie in absehbarer Zeit wieder aufgezehrt werden, konnte ich dagegen nie bilden. Und das nervt.
Seien wir ehrlich: Unvorhergesehene Ausgaben kommen immer wieder. Da geht z.B. was kaputt/man verliert was etc. und es muß schnell ersetzt werden. Oder ich brauchte dann doch mal kostenpflichtige Software fürs Studium oder ein Skript oder Buch, wo Ausleihen nicht infrage kam. Ohne Reserven wird das zu einem echten Drama, während ich mir denke, daß das mit etwas mehr Finanzpolster leichter wegzustecken ist.
Wie gerne würde ich Rücklagen bilden, eben für solche Fälle - aber wovon, wenn das vorhandene Einkommen gerade für das Notwendigste reicht, wenn ich mir den bescheidenen Spielraum, den ich mir einfach nehme, mit roten Zahlen erkaufe?
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