17
Apr
2008

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Synchronizität

Da mach ich mir am Dienstag Gedanken zum Thema Authentizität und die Bodecea tut das gleiche. Witzig.

Meine Gedanken gingen etwa so: Eine Freundin von mir meinte mal, jede/r ist seine eigene Randgruppe - niemand ist z.B. "nur" queer, "nur" Migrant, "nur" sein Beruf etc. Ich gehe soweit zu sagen, Identität ist grundsätzlich etwas mosaikartiges. Aber - und das war die Frage, die ich mir stelle - warum halten wir so viel davon unterm Deckel, je nachdem, wo wir uns bewegen? Manchmal notwendig, sicher (tatsächlich bestehende Vorurteile und so), aber manchmal beschneidet das auch einfach nur die Lebendigkeit und den Reichtum, den es ohne diese Fassaden geben könnte. Warum? Konformitätsdruck? Angst vor Vorurteilen, die viel größer scheinen, als sie sind?

Schwierig, rüberzubringen, worum es mir geht.

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Bodecea - 19. Apr, 10:51

Puh... weiß nicht.

Mit manchen Facetten gehe ich nicht gerne hausieren, weil ich weiß, dass sie - nicht zuletzt mir - eher unangenehm sind, ich nicht sehr stolz auf sie bin... was sind noch Gründe, sich selbst zu verschleiern? Angst vor Ablehnung, pure Bequemlichkeit, Sicherheitsdenken, Verdrängung... und manchmal weiß man selbst gar nicht, wer oder was man ist, und schweigt sich über diese Themen lieber aus, bevor man eine Identität promotet, die man gar nicht hat...

Caroona (anonym) - 19. Apr, 12:43

Das mit den Facetten

Ich weiß nicht, ob ich das grundsätzlich als "unterm Deckel halten" bezeichnen würde. Manchmal ist es auch eine Frage davon, was gerade zur Sprache kommt oder wichtig ist. Ich habe in meinem Bekanntenkreis irgendwie sehr verschiedene Leute, wenn ich die mal alle gleichzeitig auf einem Haufen hätte, wer weiß wie viel oder wenig die sich zu sagen hätten. Wenn ich mit denen separat Zeit verbringe, drehe ich ihnen ganz automatisch wie eine Art Magnet dann die jeweils in Resonanz stehende Facette zu. Dann bin ich schon ziemlich verschiedene Personen, je nach Gesellschaft. Aber wenn sie mich nach den anderen Facetten fragen, erzähle ich je nach dem auch drüber. Bei manchen Leuten ist es mir aber auch zu unwichtig, z.B. KollegInnen oder so, denen binde ich nicht alles auf die Nase, weil ich keine Lust auf großes Ausholen habe, also eher Bequemlichkeit, wie Bodecea schon sagte. Die SchülerInnen der Achten zum Beispiel lasse ich in dem Glauben, ich sei Satanistin wegen meines Pentagramms, ist mir wurscht, ich muss nicht jedem meinen Glauben auseinanderklamüsern. Lieber als Satanistin gefürchtet werden ;o)

Aber ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass häufig ein Grund für Wegdrehen von Facetten eine Angst ist, die sich manchmal im Nachhinein als unbegründet herausstellt. Dann ist es schon schade, wenn jemand nicht wirklich aus eigener Entscheidung heraus Persönlichkeitsanteile nicht zeigt, sondern fremdbestimmt.

Wie viel ich von mir preisgebe ist eine Frage, wie wichtig mir die Person ist und wie ich das Interesse bei der Person einschätze. Ich muss ja nun auch nicht alles ungefragt vor mir hertragen. Wenn andere nicht alles von mir wissen, finde ich das nicht unauthentisch per se. Solange ich vor mir selbst nicht irgendwelche Seiten an mir unterdrücke oder nicht sehen will, oder mich dafür schäme oder was. Ich bin mir schließlich am Wichtigsten.

Liebe Grüße,

Caroona

Bodecea - 21. Apr, 10:43

Vielleicht muss man zwei Dinge unterscheiden - wo trage ich Masken in dem Sinne, dass ich etwas "Unechtes" vor mich halte, um meine Identität, meine Facetten zu verschleiern oder verstecken, um statt dessen eine Unechte anzunehmen?

Und wo handelt es sich eher um "rotierende Facetten", wo ich durchaus authentische Teile von mir zeige, aber verschiedene, je nach Situation?

Eine devote Tussi müsste ich beispielsweise spielen, und das wäre unecht (hoffe ich auf meinem derzeitigen Stand der Selbsterkenntnis). Eine trockene Akademikerin/unkonvetionelle Rebellin/verschrobene Eigenbrötlerin/gesellige Partytante dagegen bin ich - zum Teil, und das ist durchaus echt, wenn ich die mal "nach vorne schicke".

Bodecea
ryuu - 21. Apr, 12:44

von schwulen schwarzen juden

hätte ich dieses posting auch nennen können. hm, ja, ihr habt recht und das ganze ist ne komplexe angelegenheit...

was mich halt immer nervt, ist, wenn von mir verlangt wird, einer facette dominanz einzuräumen, wo es von der sache her nicht notwendig wäre, und das möglicherweise auch noch immer.
manches an mir müssen nicht alle wissen, grundsätzlich ist es mir aber unbehaglich, wenn ich mit einer sache, die ich wichtig finde, immer überlegen muß, hm, sag ich jetzt was drüber, kommen dann die großen mißverständnisse, muß ich dann stundenlang erklärbär machen oder rückt mein gegenüber gleich gefühlte 3 meter von mir weg...
lange hab ich mich z.b. nicht mit meiner spiritualität aus dem stillen kämmerlein getraut aus eben dieser dynamik heraus: daß ich dann ja noch einer kleineren schnittmenge angehören würde, noch seltsamer wäre, "was sagen denn dann die anderen lesben". nun ja. "die anderen lesben" sind mir, sofern sie mich komisch finden, jetzt wurscht. dann bin ich halt komisch.
*nachdenk*

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